Talente finden

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Die gesellschaftspolitische Plattform zur Entdeckung und Förderung von Begabungen und Talenten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland und Europa.

Auf diesen Tag freuen sich wohl die meisten Kinder und so war auch mein Sohn Jo gespannt, was da so auf ihn zu kommen wird.

Denn schon die Kindergartenzeit war für ihn nicht so erfüllend, wie für andere Kinder. Anstatt im Sandkasten zu spielen, half er lieber den Erzieherinen beim Aufbau von Turngeräten, Regalen etc. Was hier aber noch als lustig und hilfsbereit empfunden wurde, brachte Jo im schulischen Alltag die "Hölle auf Erden".  Schon ab der ersten Klasse fingen die Probleme an und es kam zu mehreren Schulwechseln. Jedesmal das gleiche Bild. Zuerst war alles in Ordnung. Jo hatte Freude in der Schule, war aufmerksam und konzentriert. Doch schon nach ein paar Wochen, nach dem die Routine einklang hielt, bekam ich Rückmeldungen, dass Jo unkonzentriert sei und den Unterricht stören würde. Am Ende der 5. Klasse hatten wir endlich eine Schule und die dazugehörige Klassenlehrerin gefunden, die wohl genau passend für Jo war. Die Lehrerin kam super mit Jo zurecht, hat ihn genau da gefördert und gefordert, wo er es brauchte und somit endete das 6. Schuljahr auch mit guten Noten, sogar im Arbeitsverhalten. Doch dann kam er in die 7. Klasse, mit neuer Lehrerin und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Schon nach kurzer Zeit musste ich mehrfach in die Schule zu Gesprächen. Jo würde den Unterricht massiv stören, sein Arbeitsverhalten wäre katastrophal und mir wurde nahegelegt, ihm Ritalin zu verabreichen, da die Lehrerin überzeugt davon war, dass Jo unter ADHS leiden würde. Da wurde mir klar, dass ich das alles nicht mehr alleine stemmen kann, vor allem, da ich nicht mehr wusste, was überhaupt los war. Zuhause war und ist Jo ein super lieber und sensibler Junge. Er arbeitet sehr viel, denn das ist sein Leben. Er verbringt sehr viel Zeit bei befreundeten Landwirten oder hilft seinem Opa im Dachdeckerbetrieb. Er ist technisch und handwerklich so begabt, dass sich gerne Erwachsene mit ihm über Themen wie Maschinen etc. ernst unterhalten. Unser Förster ist begeistert von Jo, denn er interessiert sich sehr für Holz und den Wald. Er macht mit seinem Opa Holz für den Winter. Jo kann jedes Blatt dem richtigen Baum zuordnen.  Aber in der Schule sakten die Noten immer tiefer ab. Durch Zufall fand ich das "Institut für besondere Begabung", Frau Dr. Gerstenberger-Ratzeburg. Das war unser großes Glück. Wir fuhren sogar 2x nach Witten und Jo wurde dort getetstet. Es kam heraus, dass er einen IQ von +129 hat und somit als sehr intelligent gilt. Es wurde uns dann erklärt, dass es für Jo wichtig ist, ihn richtig zu fördern aber auch zu fordern. Da Mathematik ihm Spaß macht und leicht fällt, hat uns Frau Dr. Gerstenberger-Ratzeburg geraten, in der Schule vorzuschlagen, Jo in Mathe in die 8. Klasse zu schicken. Einfach die Schule auf seine Bedürfnisse abstimmen. Aber bei der Umsetzung stand uns dann die Schule leider im Weg. Auf die Frage, ob es möglich wäre, dass Jo stundenweise springen könnte und dies mal als Versuch zu testen, bekam ich die ernüchternde Antwort: So einen Fall hatten wir noch nie, so etwas ist nicht möglich.  Von der Schule aus und vor allem bei der Lehrerin stand fest, Jo muss weg. Die Frage war nur noch wie und wohin?! Da ich dem Vorschlag widersprach, Jo auf die Hauptschule zu schicken, musste es seitens der Schule eine andere Lösung geben und diese fand sich dann darin, dass die Schule mir eine spezielle Schule für Hochbegabte vorschlug. Hier hätte Jo kleine Klassen von nur 4-5 Kindern  und seiner Förder- Forderung stand nix mehr im Weg. Diese  Schule für Hochbegabte war ganz neu und so war über diese Schule und ihr Konzept noch nicht viel bekannt. Die abgehende Schule versprach alles dafür zu tun, dass Jo auf diese spezielle Schule wechseln könnte. Wir waren darüber sehr glücklich und erhofften uns endlich, dass Jo doch noch eine angenehme Schulzeit verbringen kann. Doch im Nachhinein weiß ich, dass ich hier zu naiv war und in die Sozialpädagogen und Lehrer vertraut habe. Sie haben einen emotionalen- sozialen Förderbedarf bei Jo festgelegt. Nur so war es möglich, auf die neue Schule zu wechseln. Damals wusste ich nicht, was das bedeutet! Das Jugendamt übernahm die Kosten für diese spezielle Schule und so konnte Jo zu Beginn des neuen Schuljahres in die 8. Klasse auf die besagte Schule wechseln. Doch schon nach ca. 2-3 Wochen tauchten Konflikte auf, die wir so nicht kannten. Schlägereien, Provokationen und Mobbing vom Feinsten. Es stellte sich dann heraus, dass diese Schule eigentlich für Kinder mit schwerwiegenden Problemen ist, wie z.B. psychische und physische Krankheiten, Aggressionen, Probleme mit Eltern usw. Jo war hier absolut an der falschen Stelle. Allerdings verlangten die Sozialpädagogen, Lehrer, Betreuer usw., dass Jo sich in diese peer-group einfügt. Der psychische Druck auf Jo wurde immens. Jo begann mit der Zeit zu rebellieren und dies spielte natürlich den dortigen Pädagogen in die Hände. Somit konnten sie erst recht behaupten, dass Jo nicht teamfähig ist und sich nicht an Regeln halten kann. Ich merkte aber, dass es meinem Sohn physisch immer schlechter ging. Nach Tagen mit Tränen und schlaflosen Nächten wusste ich, dass ich handeln musste. Und somit begann der Kampf gegen Schule, Schulleitung, Lehrer und Schulamt. Letzteres sollte ja normalerweise zum Wohle des Kindes handeln, aber ich musste feststellen, dass es auch hier wieder nur um Ausspielen von Macht ging. Ich hatte meinen Sohn längere Zeit krankschreiben lassen und gleichzeitig nach einer anderen Schule gesucht, denn für uns stand fest, Jo kann nicht mehr auf die derzeitige Schule zurück. Ich bat um Hilfe beim Schulamt, aber anstatt Verständnis und Hilfe zu bekommen, wurde mir vorgeworfen, ich würde meinem Sohn die Schulbildung vorenthalten und bei einem Gespräch im Schulamt wurden die verbalen Faustschläge mir gegenüber noch stärker. Der Herr vom Schulamt wollte mir unbedingt zeigen, wer hier das Sagen hat. Doch Jo und ich liessen uns nicht unterkriegen und kämpften uns durch das Gespräch. Zum Schluß erreichten wir, was wir wollten. Jo darf auf die von uns ausgesuchte Schule wechseln. Natürlich betonte der liebe Herr vom Schulamt, dass dies ausschließlich auf meine Verantwortung geht und Jo eine 6monatige Probezeit erhält. Aber das ist uns alles egal. Hauptsache er muss nicht wieder auf die Schule, die alles andere als für "Hochbegabte" ist.! Wir hoffen nun sehr, dass Jo sich auf der neuen Schule schnell einlebt, obwohl das Schuljahr nun schon einige Wochen begonnen hat. Er wird nie gerne in die Schule gehen, aber er weiß genau, nur mit einem guten Schulabschluß kann er seine Ziele erreichen! Mein Fazit: Auf jeden Fall niemals aufgeben, Vertrauen in sein Kind haben, das Kind stärken und wenn es notwendig ist, auch gegen Behörden u.ä. kämpfen. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn nur wenn mein Kind glücklich ist, bin ich es auch! Unser herzlicher Dank geht an Frau Dr. Gerstenberger-Ratzeburg, die immer für uns da war und uns gestärkt hat. Ebenso herzlichen Dank an Rechtsanwältin Frau A. Quack, denn ganz ohne rechtlichen Beistand geht es leider nicht immer!

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