Talente finden

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Die gesellschaftspolitische Plattform zur Entdeckung und Förderung von Begabungen und Talenten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland und Europa.

Ich bin in einer psychisch kranken Familie aufgewachsen und wurde ständig vernachlässigt. Meistens war ich mir selbst überlassen,

probierte viele Dinge aus und trieb viel Blödsinn. Im Kindergarten musste ich 3 mal meine Gruppe wechseln, weil ich immer weglief und mit anderen Kindern nicht klar kam. In der Grundschule war ich nicht sehr beliebt, weil ich permanent Grenzen überschritt und mich daneben benahm. Meine Noten waren durchschnittlich. In meinen Zeugnissen steht, dass ich bei Themen, die mich interessierten, sehr motiviert mitarbeitete und bei langweiligen Themen, den Kopf auf den Tisch legte oder einfach nach Hause ging. Es pendelte zwischen extrem neugierig oder total uninteressiert. Die Empfehlungen zur weiterführenden Schule waren zu gleichen Teilen die Hauptschule oder das Gymnasium. Letztendlich ging ich zur Realschule. Ich hatte Probleme mit der neuen Klasse, legte mich oft mit Lehrern und Mitschülern an und meine Noten waren entweder super gut oder super schlecht. Zu der Zeit wurde ich auch noch magersüchtig, wurde gemobbt, fing an mit Alkohol und Drogen zu experimentieren. Mir ging es ziemlich schlecht und von anderen wurde ich als „asozial“ abgestempelt. Trotz allem erwarb ich einen guten Realschulabschluss. Anschließend ging ich zum Gymnasium und hatte Probleme in den Kursen, da ich mittlerweile sozial phobisch war. Meine Noten lagen nur noch bei 5 oder 6. Die Klasse wiederholte ich auf einem anderen Gymnasium ziemlich gut. Dort kam ich zwar besser zurecht, litt aber gleichzeitig unter Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Ich hatte viele Bekannte, aber wenig enge Freunde. Meine Noten gingen in den Keller und ich brach die Schule ab. Eine Lehrerin bedauerte das sehr, da sie der Meinung war, ich besäße viel Potenzial. Ein halbes Jahr später begann ich ein Berufsvorbereitungsjahr und war total unterfordert. Einige meiner Leistung waren überdurchschnittlich gut, aber dem maß den keinen besonderen Wert bei. Da mein Alkoholkonsum immer extremer wurde und ich wusste, dass es so nicht weitergehen konnte, machte ich eine Therapie. Dort verhielt ich mich zunächst sehr unauffällig und fand schrittweise immer mehr zu mir selbst. Die Therapeuten/ Psychologen wiesen mich auf meine ungewöhnliche Intelligenz und Begabungen hin. Es fiel mir schwer, ihnen das zu glauben. Monatelang dachte ich, ich hätte mir das, was sie mir sagten, eingebildet oder ich hätte das bloß geträumt. Darüber redete ich nie, weil es mir peinlich war. Unabhängig davon erkannten immer mehr Menschen meine Begabung und meine Intelligenz und sprachen mich darauf an. Meistens stritt ich es ab, aber irgendwann informierte ich mich mal im Netz über Hochsensibilität und Hochbegabung und konnte mich an vielen Stellen wiedererkennen. Ich machte mehrere online Test und erwarb immer über 130 IQ Punkte. Glauben konnte ich es trotzdem noch nicht. Eines Tages kam ich mit einem Problem zu meinem Psychiater und er sagte nur : „So langsam sollten Sie mal lernen, mit Ihrer Hochbegabung klarzukommen.“ Ich war verwirrt und beschäftigte mich wieder einmal mit dem Thema und kontaktierte eine Expertin per Mail, mit der ich einige Wochen später telefonierte. Sie stellte ohne IQ- Test ebenfalls eine Hochbegabung bei mir fest. Die Erkenntnis hat mich um einiges erleichtert und ich kann nun vieles aus meiner Vergangenheit besser nachvollziehen und ich versuche auch, das Beste aus allem rauszuholen und mich komplett zu entfalten. Andererseits treffe ich öfter auf Unverständnis bei meinen Mitmenschen und manchmal fehlen mir Geichgesinnte. Insgesamt bin ich froh darüber, hochbegabt zu sein. Ich muss mich zwar noch ein bisschen daran gewöhnen, aber im Grunde genommen bin ich ein Mensch wie jeder andere. Seit ich von der Hochbegabung weiß, kann ich sie auch besser nutzen. Mein Leben ist mittlerweile in Ordnung gebracht und ich bin wieder dabei, das Abitur zu machen. Mein letzter Notendurchschnitt lag bei 1,2. :)

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