Talente finden

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Die gesellschaftspolitische Plattform zur Entdeckung und Förderung von Begabungen und Talenten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland und Europa.

Als ich mit vier Jahren in den Kindergarten kam, konnte ich schon lesen und schreiben. Ich habe irgendwann mal ein Bilderbuch mit Text genommen und angefangen laut zu lesen.

Obwohl ich noch sehr klein war, konnte ich das Entsetzen der Erzieherin erkennen, als sie das bemerkte. Sie nahm mir das Buch weg mit den Worten: „Das ist noch nichts für dich.“ Auf mein „Warum“ gab es keine Antwort. Irgendwann einmal starb die Oma eines Kindergartenkindes. Da das Kind sehr traurig war, wurde im Stuhlkreis darüber gesprochen. Ich verstand das aber nicht wirklich, denn es hieß, die Oma wäre jetzt im Himmel beim lieben Gott, das Übliche eben. Ich habe mir überlegt, wie das denn sein kann und wo sie dort oben wohl herumschwebt und warum man keinen sehen kann usw.. Also fragte ich nach, erhielt aber wieder keine Antwort. Ich wusste nicht, dass man meiner Mutter schon nahe gelegt hatte, einen Kinderpsychologen aufzusuchen, weil ich immer so merkwürdige Fragen stellen würde. Später drohte man ihr sogar mit dem Jugendamt, da sie ich scheinbar maßlos überfordere. Der Kindergarten war und blieb eine Qual. Da ich meiner Mutter nicht weh tun wollte, hielt ich das irgendwie durch in der Hoffnung, in der Schule wird es besser. Das sagten schließlich alle. Doch schon nach kurzer Zeit war ich wieder enttäuscht. Die Schule war ein Satz mit X, das war wohl nix. Ich musste wie alle anderen auch, täglich langweilige Wörter immer und immer wieder schreiben, obwohl ich zu Hause schon dicke Bücher wälzte. Die Lehrerin hatte kein Mitleid. Dann wurde sie schwanger und es gab Hoffnung, doch auch diese wurde enttäuscht. Diese Lehrerin war noch schlimmer. Immer wieder führte sie mich vor. „Ach, das schlaue Kind, das ja nichts machen soll, weil es schon alles kann“ und Ähnliches gab es immer wieder zu hören und meine Noten sackten immer mehr ab. Auch wurde ich langsam psychisch krank, sodass ich schließlich doch beim Psychiater landete. Der machte einen IQ-Test mit einem Ergebnis von 140. Nun hatten wir etwas in der Hand. Und nur deswegen durfte ich mit anwaltlicher Unterstützung ein Gymnasium besuchen. Meine Mutter kämpfte für mich, gab weiter Geld für Anwälte aus und endlich, in der 8.Klasse, kam ich auf eine Realschule, in der Hochbegabung kein Fremdwort war. An den Gymnasien leider schon. Hier, auf der Realschule, wurde ich gefördert und konnte mich ungehindert entwickeln. Ich machte dort einen super Abschluss mit Quali, ging dann weiter auf die Gesamtschule, um dort ein tolles Abi hinzulegen und habe dann endlich studiert. Mittlerweile befinde ich mich im Masterstudiengang und fühle mich erst jetzt richtig angekommen. Ich bin gut, weiß aber, dass dies ein langer und steiniger Weg war.

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